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Meine Depression und ich

Viele denken jetzt vielleicht, was, Sabine ist depressiv?

Ja, immer mal wieder holt mich

der “schwarze Hund” ein

Es gibt ein schönes Erwachsenen Bilderbuch über Depressionen, dargestellt in Form eines schwarzen Hundes, mehr Infos für Betroffene mit einem Klick aufs Foto.

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Vor etwa einer Woche war es wieder soweit: Ohne Ankündigung schlug es wie eine Bombe ein. Ja, wirklich.

Ich bin gut therapiert und reflektiert, hätte es eigentlich merken müssen. Aber vielleicht wollte ich es nicht wahr haben.

Nicht schon wieder.

Ich dachte so schlimm wird es nie wieder, und dann das…

Ich sage dir: Doch es kann wieder kommen. HEUTE ist der einzige Vorteil, dass ich weiß, was los ist. Ich kann einigermaßen darauf reagieren.

Und so haben mein lieber Ehemann und ich beschlossen, dem Alltag zu entfliehen und einen

Kurztrip in die Natur

zu machen.

Wir sind nach Wanfried gefahren und von dort aus machen wir unsere kleinen Tagestouren.

Am ersten Tag wollte ich einfach nicht mehr aufstehen. Alles tat weh, aber besonders diese

unglaubliche Leere

in mir tat weh. Leer leer leer….

Mein Mann sagte: Komm aufstehen und wenn du erst mal in der Natur bist, wird es dir besser gehen.

Wir wollten am ersten Tag

die Agentenschleuse

besuchen bzw erwandern. Ich hatte letztes Jahr die Diagnose Sarkoidose in 3 Organen und war die letzten Monate ziemlich unfit. Gott sei dank wussten wir beide nicht wie anstrengend diese erste Tour war, sonst wäre ich

niiiieeee aus dem Bett

gekommen. Es war ein sogenannter Premiumweg (eingefleischte Wanderer wissen sicher, was das bedeutet). Wir dachten, dass es ein besonders bequemer Weg ist. Hahaha….könnte mich immer noch bekringeln vor Lachen.

Am Parkplatz angekommen sind wir mit unseren beiden Hunden den Berg hoch. Ich fand es ganz schön steil und dachte mir, naja, wird sicher gleich besser. Nein es wurde nicht besser und so fluchte und schnaupte ich mich den Berg hoch. Mein Mann muss mich wirklich lieben, denn spätestens bei meinem Gefluche und auch Geheule hätte sich jeder Andere umgedreht und mich stehen gelassen. Aber nein,

er hat Geduld bis zum Gipfel

gehabt. Du könntest jetzt sagen, warum sind wir nicht umgedreht? Naja, es war so steil, dass ich den Abstieg nicht heil geschafft hätte. Wir hofften, dass der Weg besser würde. Wurde er dann auch. Aber das war echt eine riesen Herausforderung. Und genau diese Herausforderung brauchte ich anscheinend. Plötzlich kamen meine Lebensgeister wieder. Und belohnt wurden wir mit

der Agentenschleuse der DDR:

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Sie sieht nicht spektakulär aus, das gebe ich zu, aber nach dem Aufstieg…

Und ich bin dann einen einfachen Abstieg des Rundweges gegangen.

Sehr erfüllt und sehr stolz.

Ich hab meinen schwarzen Hund wieder ein wenig kleiner gemacht ? Oder besser an die Leine gelegt.

Am nächsten Tag kam der erste heftige Muskelkater und der kleine Schwarze wurde wieder ganz groß.

Aber wieder bin ich hoch und los.

Allen Schweinehunde zum Trotze und allen schwarzen Hunden erst recht.

Ab ins

DDR Grenzmuseum,

was sehr traurig war.

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Wie konnten wir diese Mauer bloß zulassen und all das Leid, was die Menschen erlitten? Diese Frage werde ich wohl nie beantwortet bekommen.

Wieso müssen soviele Menschen Heute in Aleppo sterben? Besonders die Kinder?

Diese Frage kann mir auch keiner beantworten. Ich lese viel darüber, ich will die Augen nicht verschließen, auch wenn es für die Krankheit Depression nicht hilfreich ist.

Depressive Menschen sind extrem sensibel,

feinfühlig und nehmen solche Bilder mit in ihre Träume, halten sehr lange an diesen Informationen fest, vielleicht zu lange.

Ich habe nach schlimmen Nachrichtenbildern oft Alpträume. Ich könnte es lassen, aber ich muss auch wissen, was in dieser Welt passiert. Die goldene Mitte ist sicher das beste, aber auch nicht einfach.

Nach dem Museum sind wir zur Teufelskanzel, wieder ein ziemlich steiler Aufstieg. Grrr. Also für mich allemal als Flachlandtirolerin.

Aber der dann folgende Ausblick und der besonders leckere Tee haben alles wieder gut gemacht.

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Einige Tage und diverse wundervolle Wanderungen später geht es mir besser, ich bin wieder einigermaßen stabil.

Mein Fazit:

Für mich ist die Mischung aus guter Bewegung, aber vor allem die Natur ganz wichtig, um aus dem dunklen Tunnel rauszukommen bzw. WENIGSTENS das Licht am Ende des Tunnels wieder zu erkennen.

Aber Achtung:

Für all diejenigen, die noch nicht therapiert haben, ist dies nicht der Heilweg. Ich persönlich kann nur sagen, dass ohne die Therapien und auch Klinikaufenthalte vor einigen Jahren ich es diese letzten Tage so nicht geschafft hätte!!!

Über Kommentare und eigene Berichte würde ich mich hier im Kommentarfeld sehr freuen.

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